Ange­sichts inter­es­sier­ter Miss­ver­ständ­nisse: War der Tröglitzer Brandanschlag nationalistisch?

Ich habe ja lange überlegt, ob ich zum neuesten Erguss der AG no tears for krauts wirklich schon wieder was schreiben soll; ich konnte mich nicht entscheiden, ob der Text gegen die „Schlachtrufe Tröglitz“ („Nationalismus raus aus den Köpfen! (klatschklatschklatsch)“) wirklich einen Kommentar wert ist, scheint er doch in erster Linie der Selbstvergewisserung der krauts zu dienen, nicht zum linken Pöbel dazuzugehören und mit den eigenen Sprüchen („Euer Stammbaum ist ein Kreis! Es gibt im Dorf nur eine Frau – deine Mutter!“) die Kritik an den Tröglitzer Verhältnissen viel genauer auf den Punkt gebracht zu haben. Denn – so die krauts – beim Brandanschlag auf das geplante Flüchtlingsheim in Tröglitz sei nicht etwa Nationalismus zum Ausdruck gekommen, sondern höchstens die Verteidigung der eigenen Dorfgemeinschaft, die allerdings – wohl im Gegensatz zur Nation – nur durch den „Hass auf den gemeinsamen Feind: die fremden Neuankömmlinge“ zusammengehalten werde und nach der Abwehr derselben wieder in einen Kampf aller gegen alle zerfallen würde. Weiterlesen

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Von Flüchtlingen und Neoliberalismus (die neoliberale Perspektive)

Die Welt kennt in diesen journalistischen Sommerlochtagen zwei große Themenkomplexe, die ihr helfen, ihre Seiten zu füllen: die Flüchtlingskrise und – den großen Wespensommer von 2015. Interessanterweise scheint ihre Positionierung zu beiden in etwa die gleiche zu sein: von Flüchtlingen wie von Wespen gibt es tendenziell zu viele in diesen Tagen in Deutschland, beide sind ein wenig nervig, allerdings auch nicht weiter gefährlich, irgendwo in engen Grenzen vielleicht sogar schützenswert, aber eigentlich sollten es auf jeden Fall weniger werden und man will sie halt auch nicht so recht sehen.

Ulf Poschardt nun möchte zumindest die Flüchtlingsdebatte entideologisieren, wie er sagt, denn in der deutschen Debatte Weiterlesen

Arbeit und Kreativität in der postmaterialistischen Wirtschaft

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Edmund Phelps wartet in der sozialdemokratischen US-Zeitschrift „The New York Review of Books“ mit einer besonders originellen Gegenwartsdiagnose auf: die westlichen Gesellschaften würden stagnieren, da ihre Wirtschaft nicht „dynamisch“ und „innovativ“ sei, sondern sich „korporatistisch“ in ihrem einigermaßen angenehmen Lebensstandard eingerichtet hätten.

Doch zunächst ein wenig Geschichte:

In nineteenth century Britain and America and later Germany and France, a culture of exploration, experimentation and ultimately innovation grew…it should not surprise us that imagination exploded in the rest of the economy…What made innovating so powerful was that it was not limited to elites. It permeated society from the less advantaged parts of the population on up. People of ordinary background might be involved in innovations, large and small…The experience of working in these dynamic economies was evidently good for most people. (alle Zitate von Phelps)

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Gauck und die Flüchtlinge

Nun hat also auch Deutschland erstmals offiziell den seit immerhin 15 Jahren bestehenden Weltflüchtlingstag begangen. Allerdings nicht, ohne der ganzen Sache noch ein kleines deutsches G’schmäckle zu geben und den 20. Juni neben dem Weltflüchtlingstag auch noch zum Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung zu erklären, der sich insbesondere den sogenannten Heimatvertriebenen widmen soll – also den Deutschen, die als Reaktion auf die Verbrechen der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft insbesondere aus Osteuropa vertrieben wurden. Und wie sich das für einen zünftigen deutschen Gedenktag so gehört, musste natürlich auch der Bundespräsident und Pfaffe der Nation Joachim Gauck eine Rede halten. Die bringt die geschichtsrevisionistische Widerwärtigkeit, die deutschen Vertriebenen mit den heutigen Flüchtlingen gleichzusetzen so wunderbar auf den Punkt, dass ich sie hier ein wenig genauer betrachten möchte. Würdevoll getragen und vollkommen inhaltsleer geht’s los:

Über Entwurzelte wollen wir heute sprechen.
Über Flüchtlinge und Vertriebene, zwangsweise Emigrierte.
Über Heimatlose einst und Heimatlose heute und morgen.
Über Menschen, die nicht mehr dort sind und auch noch nicht ganz hier.
Über Menschen, die etwas vermissen und gleichzeitig froh sind, nicht dort leben zu müssen, wohin das Heimweh ihre Gedanken lenkt.
Über Entwurzelte wollen wir heute sprechen. (alle Zitate aus Gaucks Rede zum Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung)

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Von Sozialdemokratie und Neoliberalismus (die linksliberale Perspektive)

Ein kleines Fundstück aus der Frankfurter Rundschau noch, dann ist das Probeabo abgelaufen und ich muss mir ein neues Thema suchen. In der Ausgabe vom 21. Mai veröffentlicht die FR auf ihrer Meinungsseite direkt untereinander zwei Beiträge, die schön aufzeigen, wie wenig sich die liberale deutsche Linke eigentlich bewusst ist, was sie so schreibt und denkt. In „Alte Bekannte“ beschwert sich Klaus Staeck darüber, dass die neoliberale Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft in ihrer neuesten Kampagne auch mit den Konterfeis und Zitaten von Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder wirbt. Findet Staeck: „Das ist dreist.“ Weiterlesen

Wie die Frankfurter Rundschau lernte, die Bombe zu lieben

Die sogenannte NSA-Affäre bietet der deutschen Linken mal wieder die Möglichkeit, ihre Staatstreue unter Beweis zu stellen, indem sie den guten deutschen demokratischen Rechtsstaat gegen die böse angloamerikanische Spitzelei und deren deutsche Handlanger verteidigt. Ganz schnell ist ihr dabei auch ein alter Vorwurf zur Hand, den man sonst eigentlich eher aus den Lagern der Reaktionäre kennt: BND, Merkel und Co. werden von diversen Linken und deren Medien mittlerweile des Landesverrats bezichtigt, weil sie dem NSA bei der Spionage geholfen haben bzw. die „Affäre“ nicht ordentlich aufklären wollen. Auch die Frankfurter Rundschau sprang kürzlich in ihrem Blog auf diesen Zug auf. So weit, so üblich, so langweilig. Nur sah sich das Blatt anschließend bemüßigt, zwei der Kommentare zum Blogartikel in der Printausgabe vom 11.05. als Leserbrief abzudrucken. In einem davon scheint durch, mit welchen Bettgefährten sich die vaterlandstreue Linke demnächst wiederfinden könnte:

„„…Für die Alternative, eine Politik der deutschen Stärke sehe ich keine Persönlichkeiten in der deutschen Politik, die bereit und in der Lage wären diese umzusetzen. Zu Ende gedacht gehört dazu der Rauswurf aller Spionagestationen, Kommandozentralen und Tarnorganisationen der Angelsächsischen Allianz samt Personal, die Kündigung des Atomwaffensperrvertrages und die Option für weitere hochentwickelte Massenvernichtungswaffen. Denn es wird immer Massenvernichtungswaffen auf deutschem Boden geben, es fragt sich nur, ob es die eigenen sind. Eine solche Politik deutscher Stärke setzt Politiker voraus, die Macht aus der Entscheidung ableiten und nicht aus der Mitgliedschaft in Netzwerken, über die in der Öffentlichkeit nicht geredet wird. So weit sind wir aber noch nicht.“

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Bloß kein Experte sein…

Der psychologische Test – sei es als IQ-Test, Einstellungstest o.ä. – zeigt bekanntermaßen nie ein wirklich objektives Bild des Zustandes seines Objekts; schon allein durch die Art der Fragestellung und die Auswahl an Antwortmöglichkeiten wird dieser vorausbestimmt, dem zu Testenden niemals eine wirkliche Freiheit in seiner Positionierung zugestanden. In den mittlerweile allgegenwärtigen Quiz zum Beziehungsstatus, den eigenen sexuellen Vorlieben, der Frage nach der passenden Frisur steigert sich diese Tendenz noch; die Antwortmöglichkeiten sind meist derart eindeutig konnotiert, dass der am Quiz Teilnehmende sich sein Wunschresultat im Grunde frei zusammenstellen kann. Das Ergebnis des Quiz‘ liefert demnach seltener noch als beim Intelligenztest wirkliche Einblicke in die Persönlichkeit und Vorlieben der Teilnehmenden; umso stärker können in der Regel aus dem Verhältnis von Antworten und Punktverteilung Rückschlüsse gezogen werden auf die Ansichten derer, die die Quiz formulieren – so geben beispielsweise Beziehungsquiz üblicherweise deutlichen Aufschluss über die Vorstellungen von Männer- und Frauenrollen der zuständigen Journalisten.

Wenn nun die Bonjour Tristesse – so etwas wie das Zentralorgan der Hallenser Bahamas-Antideutschen – in ihrer letzten Ausgabe ein Quiz veröffentlicht zu dem Thema „Bist du ein Antisemitismusexperte?“, so kann man daraus auch in erster Linie Rückschlüsse ziehen auf die Einstellungen der BT-Redakteure. Schauen wir uns also mal exemplarisch drei Fragen und deren Antwortmöglichkeiten an:1 Weiterlesen